Wer in eine Solaranlage investiert, möchte wissen, wie viel Strom die Module über das Jahr tatsächlich erzeugen. Der Ertrag einer PV-Anlage wird in Kilowattstunden (kWh) gemessen und hängt von mehreren Faktoren wie Standort, Dachneigung, Ausrichtung und Modultechnologie ab. In Deutschland können Sie mit sehr verlässlichen Ertragswerten planen — die Sonneneinstrahlung ist über die Jahrzehnte konsistent und gut erforscht.
Der spezifische Solarertrag in Deutschland
Um die Leistungsfähigkeit von PV-Anlagen unabhängig von ihrer Größe zu vergleichen, nutzt man den Begriff des spezifischen Ertrags. Dieser gibt an, wie viele Kilowattstunden Strom pro Kilowattpeak installierter Leistung (kWh/kWp) im Jahr erzeugt werden. Der spezifische Ertrag ist der wichtigste Vergleichswert zwischen verschiedenen Standorten und Anlagen.
Regionale Ertragswerte in Deutschland
| Region | Bundesländer | Spez. Ertrag (kWh/kWp/Jahr) | 10 kWp Anlage (kWh/Jahr) |
|---|---|---|---|
| Süddeutschland | Bayern, Baden-Württemberg | 950 – 1.100 | 9.500 – 11.000 |
| Mitteldeutschland | Hessen, Rheinland-Pfalz, NRW, Thüringen, Sachsen | 880 – 980 | 8.800 – 9.800 |
| Norddeutschland | Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern | 820 – 920 | 8.200 – 9.200 |
| Oberrheingraben | Freiburg, Karlsruhe, Mannheim | 1.050 – 1.150 | 10.500 – 11.500 |
Monatliche Ertragsverteilung
Der PV-Ertrag verteilt sich über das Jahr sehr ungleichmäßig. Etwa 70–75 % des Jahresertrags werden im Sommerhalbjahr (April bis September) erzeugt. Die Wintermonate (November bis Januar) tragen nur ca. 5–8 % bei:
| Monat | Anteil am Jahresertrag | Ertrag 10 kWp (ca., Mitteldeutschland) |
|---|---|---|
| Januar | 2,5 % | 240 kWh |
| Februar | 4,5 % | 430 kWh |
| März | 8,0 % | 760 kWh |
| April | 11,5 % | 1.090 kWh |
| Mai | 13,5 % | 1.280 kWh |
| Juni | 14,0 % | 1.330 kWh |
| Juli | 14,0 % | 1.330 kWh |
| August | 12,0 % | 1.140 kWh |
| September | 9,0 % | 855 kWh |
| Oktober | 5,5 % | 520 kWh |
| November | 3,0 % | 285 kWh |
| Dezember | 2,5 % | 240 kWh |
Die 7 wichtigsten Einflussfaktoren auf den PV-Ertrag
1. Globalstrahlung (Sonneneinstrahlung am Standort)
Die Globalstrahlung ist die Summe aus Direktstrahlung (bei klarem Himmel) und Diffusstrahlung (bei Bewölkung). In Deutschland beträgt die jährliche Globalstrahlung zwischen 950 kWh/m² (Norddeutschland) und 1.250 kWh/m² (Oberrheingraben). Diese Werte sind über Jahrzehnte hinweg stabil und können aus Strahlungskarten (z.B. DWD Solar-Kataster) entnommen werden.
2. Dachausrichtung (Azimut)
Die Himmelsrichtung, in die Ihr Dach zeigt, beeinflusst den Ertrag direkt. Eine reine Südausrichtung (Azimut 0°) ist optimal, aber Abweichungen haben geringere Auswirkungen als oft befürchtet. Details finden Sie in unserem Ratgeber Dachausrichtung und Neigung.
3. Dachneigung
Der optimale Neigungswinkel in Deutschland liegt bei 30° bis 35°. Bei diesem Winkel treffen die Sonnenstrahlen im Jahresmittel am effizientesten auf die Module. Abweichungen bis 45° oder 15° verursachen nur Ertragseinbußen von 3–8 %.
4. Verschattung
Schornsteine, Nachbarhäuser, Bäume, Satellitenantennen oder Stromleitungen können den Ertrag erheblich mindern. Schon die Verschattung eines einzelnen Moduls kann bei String-Wechselrichtern den gesamten Modulstrang beeinträchtigen. Gegenmaßnahmen:
- Moduloptimierer (z.B. SolarEdge): Jedes Modul wird unabhängig optimiert — ein verschattetes Modul beeinflusst die anderen nicht.
- Mikro-Wechselrichter (z.B. Enphase IQ8): Jedes Modul hat einen eigenen Wechselrichter — maximale Unabhängigkeit.
- Bypass-Dioden: In modernen Modulen serienmäßig verbaut, leiten den Strom um verschattete Zellen herum.
5. Modultechnologie & Wirkungsgrad
Der Wirkungsgrad des Moduls bestimmt, wie viel der einfallenden Solarstrahlung in Strom umgewandelt wird:
- PERC (P-Type): 19–21 % Wirkungsgrad (auslaufende Technologie).
- TOPCon (N-Type): 21–22,5 % Wirkungsgrad (aktueller Standard 2026).
- HJT (Heterojunction): 22–24 % Wirkungsgrad (Premium-Segment).
- IBC (Interdigitated Back Contact): 22–25 % (z.B. SunPower Maxeon).
6. Temperatur-Koeffizient
Solarmodule arbeiten am effizientesten bei kühlen Temperaturen (25 °C Zelltemperatur). Im Sommer können die Module auf 60–70 °C erhitzen, was zu einem Leistungsverlust führt. Der Temperatur-Koeffizient gibt an, wie stark die Leistung pro Grad über 25 °C sinkt:
- Standard-Module (PERC, TOPCon): ca. –0,34 % bis –0,38 % pro °C.
- HJT-Module: ca. –0,24 % bis –0,26 % pro °C (deutlich besser).
Bei einer Modultemperatur von 65 °C verliert ein Standard-Modul ca. 14 % seiner Nennleistung, ein HJT-Modul nur ca. 10 %.
7. Degradation (Alterung der Module)
Solarmodule verlieren im Laufe der Jahre minimal an Leistung. Der branchenübliche Degradationswert liegt bei ca. 0,4–0,5 % pro Jahr. Nach 25 Jahren liefert ein Modul also noch ca. 87–90 % seiner ursprünglichen Leistung. Hochwertige Module (Meyer Burger, Solarwatt) garantieren nach 30 Jahren noch mindestens 87 % Leistung.
Ertrag berechnen: Schritt-für-Schritt-Formel
Mit der folgenden vereinfachten Formel können Sie Ihren jährlichen Solarertrag grob abschätzen:
Jahresertrag (kWh) = Anlagenleistung (kWp) × Spez. Ertrag (kWh/kWp) × Korrekturfaktor Ausrichtung × Korrekturfaktor Verschattung
Rechenbeispiel: 10 kWp Anlage, Standort München (spez. Ertrag 1.000 kWh/kWp), Südost-Ausrichtung (Faktor 0,95), keine Verschattung (Faktor 1,0):
10 kWp × 1.000 × 0,95 × 1,0 = 9.500 kWh pro Jahr
Häufige Fragen zum PV-Ertrag
Wie viel Strom produziert eine 10 kWp Anlage pro Tag?
Im Jahresdurchschnitt ca. 26 kWh pro Tag (bei 9.500 kWh Jahresertrag). An einem sonnigen Sommertag kann der Tagesertrag auf 50–60 kWh steigen, an einem trüben Wintertag auf unter 5 kWh fallen.
Lohnt sich PV auch in Norddeutschland?
Ja! Der Ertragsunterschied zwischen Nord- und Süddeutschland beträgt nur ca. 15–20 %. Da die Anlagenkosten identisch sind und der Netzstrompreis überall gleich hoch ist, amortisiert sich eine Anlage im Norden nur ca. 1–2 Jahre später als im Süden.
Produziert eine PV-Anlage auch bei Bewölkung Strom?
Ja. Solarmodule nutzen nicht nur die direkte Sonnenstrahlung, sondern auch die diffuse Strahlung bei bewölktem Himmel. An einem bedeckten Tag erzeugt die Anlage ca. 10–30 % der Spitzenleistung. Selbst bei starker Bewölkung oder Regen wird Strom produziert — nur deutlich weniger.